Gripper-TBM: Mit Heavy Metal
durch Hard Rock.

Im soliden Fels ist das Gripperprinzip so einfach wie unschlagbar. Die einfach verspannte Gripper-TBM verspannt sich hinten mit zwei Gripperplatten gegen den Fels. Von da aus pressen Hydraulikzylinder den Bohrkopf mit hohem Druck in die Ortsbrust, die von Rollenmeißeln zermalmt wird. Die doppelt verspannte Gripper-TBM verfügt nach demselben Prinzip über vier hydraulisch betriebene Gripperplatten.

 

Gotthard-Basistunnel

In der Schweiz entsteht mit dem Gotthard-Basistunnel ein Jahrhundertbauwerk. Der längste Verkehrstunnel der Welt soll 2 x 57 Kilometer lang werden, und durch ihn soll die Eisenbahnstrecke Basel-Mailand zur "Flachbahn" werden; Züge können nach seiner Fertigstellung doppelt so schnell fahren wie bisher. Mit allen Schächten und Stollen muss insgesamt eine Strecke von 153,5 Kilometern durch wechselhafte und anspruchsvolle Geographie gegraben werden - bei bis zu 2000 Meter Überdeckung und bis zu 50 Grad Felstemperatur. Die Piora-Mulde auf dem südlichen Abschnitt zwischen Faido und Sedrun ist eine der besonders kritischen Herausforderungen. Für diese Störzone wurde auf einer Länge von rund 150 Metern nicht-standfestes Gestein, das zudem unter hohem Wasserdruck stehen sollte, vermutet. Beim maschinellen Vortrieb der beiden Hauptröhren unterm St. Gotthard kommen ausschließlich Gripper-TBM von Herrenknecht zum Einsatz für insgesamt knapp 85 Kilometer neuen Eisenbahntunnel.

 

Der Süden: Bodio - Faido - Sedrun.

Im Herbst 2006 wurde der erfolgreiche Abschluss auf dem südlichen Abschnitt von Bodio nach Faido gefeiert. Die S-210 ("Sissi") und S-211 ("Heidi") fuhren am 6. September und 26. Oktober 2006 in die Multifuktionsstelle Faido ein. Im Rahmen einer umfassenden Revision wurde bei beiden Maschinen auch der Durchmesser von 8.830 mm auf 9.430 mm vergrößert, um so den sich anschließenden nächsten Abschnitt in Richtung Norden in Angriff zu nehmen: von Faido nach Sedrun. Hier meisterten die Teams auf den beiden Hartgesteinsbohrmaschinen im Oktober 2008 und im Februar 2009 den Durchbruch der Piora-Mulde. Die TBM "Sissi" feierte den finalen Durchschlag der Oströhre am 15.10.2010, gefolgt von "Heidi", die am 23.03.2011 sicher in den Zielschacht der Weströhre einfuhr. Die "Ära Gotthard" - das Jahrhundertprojekt mit dem längsten Eisenbahntunnel der Welt - konnte nun erfolgreich abgeschlossen werden. Vertikal betrug hier die Abweichung nur 3 Millimeter, horizontal eine absolute Punktlandung: 0 Millimeter Abweichung zum Sollwert.

 

Der Norden: Erstfeld - Amsteg - Sedrun.

Den Abschnitt Amsteg - Sedrun im Norden des Gotthard-Massivs hatten die beiden Gripper-TBM S-229 »Gabi 1« und S-230 »Gabi 2« im Juni und Oktober 2006 fertiggestellt. Nach ihrer Demontage im Berg wurden sie umfassend überholt und am Portal Erstfeld - dem nördlichsten Punkt des Gotthard-Basistunnel - für die Strecke Erstfeld - Amsteg an den Start gebracht. Die Mineure auf der »Gabi 1« jubelten am 16. Juni 2009: der Durchbruch am Ziel in Amsteg war geschafft. Die Schwestermaschine »Gabi 2« im parallelen Tunnel legte einen rasanten Endspurt hin. Am 19. Juli wurden innerhalb von 24 Stunden ganze 56 Meter Hartgestein durchbohrt. Genau 3 Monate nach »Gabi 1« feierte auch »Gabi 2« den Durchbruch am 16. September 2009.

Tunnel Maurice Lemaire, Frankreich

 

Der längste sich vollständig auf französischem Boden befindliche Straßentunnel verbindet die Gemeinde Saint-Marie-aux-Mines mit dem Ort Lusse in den Vogesen. Ein etwa 6,2 Kilometer langer Notstollen wurden von einer Herrenknecht-Gripper-TBM parallel zum Haupttunnel mit offenem Hartgestein-Schild aufgefahren. Eine Tunnelbohrmaschine dieses Typs war zum ersten Mal auf französischem Boden im Einsatz. Die von der ARGE Bouygues Eiffage TP in Auftrag gegebene TBM startet im Februar 2005 ihren Vortrieb auf der elsässischen Seite. Die Tunneltrasse führt in etwa 16 Metern Abstand zum Haupttunnel durch Gneis und Granit. Mit  Wochenbestleistungen von fast 234 Metern und einem Tagesrekord von über 55 Metern erreichte die Maschine am 2. Juni 2006 den Zielstollen bei Lusse. Der Straßentunnel »Maurice Lemaire« ist sicherheitstechnisch auf den neuesten Stand gebracht. Die Wiedereröffnung des Tunnels ist noch vor der Wintersaison 2007/2008 vorgesehen.

West Area CSO Tunnel, Atlanta, USA

 

Seit 2005 bohren sich unter Atlanta zwei Herrenknecht-Gripper-TBM mit Durchmessern von je 8,23 Metern durch das Gneis-Gestein. Die beiden Speichertunnel (CSO, Combined Sewer Overflows) werden insgesamt eine Länge von 13,4 Kilometern haben und nach ihrer Fertigstellung Ende 2007 nahezu 700 Millionen Liter Mischwasser aufnehmen können. Das z.B. bei starken Niederschlägen so gesammelte Wasser kann dann abgepumpt und einer Kläranlage zugeführt werden - es gelangt nicht mehr ungeklärt in Flüsse und Bäche. Die beiden baugleichen Maschinen haben unter der ehemaligen Olympiastadt Vortriebsleistungen von bis zu 187,5 bzw. 208,5 Metern pro Woche erzielt.

DURCHSCHLAG IN LIMMERN.

Am 14. Oktober 2011 erreichte das Vortriebsteam in Limmern (Schweiz) den Durchschlag des 1. Stollens mit einer speziell ausgelegten Gripper-TBM für den Vortrieb bei 40° Steigung.

WELTREKORD AUF GANZER STRECKE. VIERTE HERRENKNECHT-TBM SCHLIESST DEN LETZTEN GOTTHARD-VORTRIEB ERFOLGREICH AB.

Mit dem finalen Durchstich in der Weströhre sind die beiden 57 km langen Hauptröhren komplett ausgebrochen. Am 23. März 2011, starteten die Mineure am längsten Eisenbahntunnel der Welt ein letztes Mal die Herrenknecht-TBM »Heidi« (Durchmesser 9,43 m).