3 Herrenknecht Mixschilde für die Stadtbahn Köln.

Die Nord-Süd Stadtbahn ist das derzeit größte ÖPNV-Infrastrukturprojekt in Deutschland. Sie wird in der ersten Ausbaustufe unterirdisch vom Breslauer Platz nahe Hauptbahnhof und Dom unter der Altstadt und dem Severinsviertel hindurch bis zur südlich gelegenen Marktstraße führen. Von dort soll es in einer weiteren Baustufe oberirdisch noch 2 km weiter in Richtung Süden weitergehen. Mit einem weiteren 850 m langen Streckenabschnitt ist zudem die unterirdische Anbindung an das Rheinufer vorgesehen. Ende 2010 sollen die ersten Bahnen rollen.
Für das ?Südlos? der ersten Baustufe rücken die beiden Maschinen ( 8,40 m) vom ?Bonner Wall gen Norden in Richtung Hauptbahnhof vor. Die beiden Tunnelbohrmaschinen werden derzeit in Köln auf der Baustelle montiert und auf Ihre anspruchsvolle Untergrundfahrt vorbereitet. Der Startschuss für den ersten Mixschild fällt am 6. Juni 06 um 6.00 Uhr. Die Schwestermaschine soll rund neun Wochen später ? am 7. August ? loslegen. Eine weitere, etwas kleinere Herrenknecht-Maschine ( 6.80 m) wird sich beim ?Nordlos? von Juli an vom Breslauer Platz bis nahe an die Philharmonie vorarbeiten und dort nacheinander zwei 260 m lange Tunnelröhren auffahren. Die Verbindung von Nord- und Südtunneln entsteht in einer offenen Baugrube am Kurt-Hackenberg-Platz.
Nach spätestens 15 Monaten Vortrieb sollen die beiden größeren Mixschilde im Zielschacht wieder ans Tageslicht kommen. Bis Mitte 2007 sollen auch die beiden Nordröhren im Rohbau fertig sein. Läuft alles rund, dann werden sich die Schälmesser und Rollenmeißel mit dem Drehmoment von rund 20.000 Mittelklasse Pkw unter der Stadt hindurchwühlen und dabei Tag für Tag bis zu 4.000 Tonnen Erdreich abbauen. Mit Überdeckungen zwischen 8 und 20 m arbeiten sich die Maschinen und Tunnelcrews der ARGE Stadtbahn Nord-Süd dabei vornehmlich durch Sand und Kies.
Damit die Anwohner vom maschinellen Vortrieb nichts bemerken, arbeiten die Maschinen mit ?flüssigkeitsgestützter Ortsbrust?. Eine unter Druck stehende Bentonit-Suspension hält in der Abbaukammer die von außen wirkenden Kräfte (Baugrund, Grundwasser und Bebauung) in Schach. Das abgebaute Material wird mit der Stützflüssigkeit an die Oberfläche transportiert. Erdreich und Bentonit werden dort getrennt, die gereinigte Stützflüssigkeit anschließend wieder in die Tiefe befördert. Größere Felsbrocken werden in einem Steinbrecher zerkleinert. Im Schutz des Schildmantels wird die Tunnelröhre aus Betonsegmenten (Tübbingen) zusammengesetzt. Um Setzungen zu vermeiden wird der Hohlraum zwischen Schildmantel und den etwas kleineren Tübbingen zudem mit Spezialmörtel verfüllt.
Der Stadtbahnbau unter Federführung der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) ist nicht nur ein wichtiges Verkehrs-Infrastrukturprojekt. Mit den Arbeiten wurde auch archäologischen Grabungen in Angriff genommen, die zu den größten in einer europäischen Metropole zählen. Immerhin unterquert die Trasse mächtige Bodenschichten, die verschiedene Phasen der historischen Stadtentwicklung - beginnend mit der Zeit römischer Besiedlung ? widerspiegeln. Mit Vortriebsmaschinen kann man solche Gebiete schonend und sicher unterqueren. In den offenen Baugruben der künftigen unterirdischen Haltestellen gibt es für über 100 Archäologen derzeit allerdings viel zu tun.


