ERSTER MASCHINELL GEBOHRTER TUNNEL UNTERM BOSPORUS. MIT HERRENKNECHT-TECHNIK PÜNKTLICH UND SICHER FERTIGGESTELLT.

In Istanbul erreichte Mitte April 2009 die Tunnelbohrmaschine S-391 (Ø 6,11 m) von Herrenknecht ihren Zielschacht. Der neue Tunnel »Melen 7« unterquert den Bosporus, die Meerenge zwischen dem asiatischen und dem europäischen Teil der türkischen Metropole. Nach dem Finish des Innenausbaus wird der Tunnel den europäischen Teil mit Wasser aus dem asiatischen Teil versorgen. Die Trasse verläuft an ihrer tiefsten Stelle 135 Meter unter dem Wasserspiegel der Meerenge. Diese anspruchsvolle Passage durchfuhren Baustellenteam und Tunnelbohrer sicher. In 13,5 Monaten entstand der erste maschinell hergestellte Tunnel unter dem Bosporus.
Istanbul, Türkei / Schwanau, Deutschland, 7. Mai 2009. Nach 3.400 Metern Vortrieb unterm Bosporus erreichte am Montag, dem 13. April 2009, die Herrenknecht-Tunnelbohrmaschine S-391 (Ø 6,11 m) ihren Zielschacht auf der asiatischen Seite Istanbuls. Im März 2008 hatte der Erdruckschild (EPB-Schild) den Vortrieb auf der europäischen Seite aufgenommen. Mit bis zu 20 Metern pro Tag rückte die Maschine (Gesamtlänge 157 m, Gesamtgewicht 700 t) bei Tiefenlagen von bis zu 135 Metern unter dem Wasserspiegel des Bosporus’ planmäßig vor. Der in nur 13,5 Monaten gebohrte Tunnel wird nach dem Endausbau voraussichtlich ab dem Jahr 2010 Wasser vom asiatischen zum europäischen Teil Istanbuls transportieren.

Der Tunnel »Melen 7« ist das Schlüsselbauwerk eines großangelegten Projektes, mit dem sich die Metropole Istanbul – heute leben hier über 10 Millionen Einwohner – langfristig eine verbesserte Wasserversorgung sichert. Dieses Wasser wird auf der europäischen Seite von Istanbul für die Trinkwasserversorgung der Bewohner benötigt, aber ebenso dringend für Landwirtschaft und regionale Industrie. 170 Kilometer vor den Toren der Stadt auf der asiatischen Seite wird dazu der »Fluss Melen« aufgestaut. Aus diesem niederschlagsreichen Gebiet wird das Wasser künftig in mehreren Etappen nach Istanbul geleitet. Damit es auch den europäischen Stadtteil erreichen kann, muss der Tunnel den Bosporus unterqueren.
Die größte Herausforderung im Projekt ergab sich aus der enormen Tiefe der aufzufahrenden Tunnelröhre von bis zu 135 Meter unterhalb des Wasserspiegels. Die Maschine musste daher für Wasserdrücke von bis 13,5 bar abgedichtet sein. Der Erstausbau des Tunnels durch die Tunnelbohrmaschine erfolgte mit Tübbingen (Stahlbeton-Fertigteile), die mit speziellen Dichtungen versehen auf einen Wasserdruck von bis zu 20 bar ausgelegt sind. Die Schalungen für die Tübbingproduktion wurden von der Herrenknecht Formwork GmbH in die Türkei geliefert. Der Endausbau für die Durchleitung des Wassers wird mit Stahlrohren erfolgen und soll im Frühjahr 2010 abgeschlossen sein.

Der Startschacht der Maschine lag im Stadtteil Sariyer auf der europäischen Seite. Die ersten rund 2,3 Kilometer des Vortriebs erfolgten bei einem Gefälle von 7,45 %. Hier betrug die Überdeckung bis zum Meeresgrund teilweise nur 35 Meter bei einer doppelt so hohen Wassersäule von 70 Metern. Die restliche Strecke (1,1 Kilometer) verlief nahezu horizontal. Mitte April 2009 – 13,5 Monate nach Start auf der europäischen Seite - tauchte der Vortriebsschild von Herrenknecht im 140 Meter tiefen Zielschacht im asiatischen Stadtteil Beykoz planmäßig auf. Um die Maschine in dem mit 8 Metern Durchmesser kleinen Zielschacht bergen zu können, mussten die Konstrukteure von Herrenknecht bereits in der Designphase für möglichst kleinteilige Schildsegmente vorsorgen.
Mit dem Durchbruch des Herrenknecht-EPB-Schildes S-391 zum Zielschacht haben die Baustellen-Teams des russischen Bauunternehmens OAO Mosmetrostroy den ersten Tunnel unterm Bosporus erfolgreich aufgefahren. Damit ist gleichzeitig die erste maschinell gebohrte Verbindung zweier Kontinente geschaffen. Angesichts der gemeisterten Herausforderungen stellt er eine erstklassige Referenz des maschinellen Tunnelvortriebs dar.
5. Weltwasserforum 2009 | Istanbul | Türkei
Die effektive und gerechte Nutzung der Weltwasservorräte ist eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Im März 2009 fand in Istanbul das 5. Weltwasserforum statt, wo Experten, Politiker und Bürger Perspektiven und konkrete Pläne diskutierten. Der Generaldirektor der mexikanischen Wasserbehörde CONAGUA, José Luis Luege Tamargo, berichtete in der Rückschau auf das 4. Weltwasserforum 2006 in Mexiko über die seitdem eingeleiteten Maßnahmen der mexikanischen Regierung. Anlässlich eines Besuchs der Melen-7-Baustelle verwies Jose Luis Luege Tamargo auf das weltgrößte Abwasserprojekt »Emisor Oriente« in Mexiko-Stadt, für das Herrenknecht insgesamt 3 Vortriebsmaschinen für insgesamt 30 Kilometer Tunnel liefert.
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